Amsterdamer Wald
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Der Amsterdamse Bos, gelegen zwischen Amsterdam und Amstelveen, ist einer der größten Stadtparks Europas und erstreckt sich über etwa 1.000 Hektar. Dieser außergewöhnliche Grünraum ist dreimal so groß wie der Central Park in New York und bietet eine Vielzahl von Freizeit-, Sport- und Kulturaktivitäten für Besucher jeden Alters.
Die Idee zur Schaffung des Amsterdamse Bos geht auf die frühen 1900er Jahre zurück, als der niederländische Botaniker Jac. P. Thijsse die Schaffung eines Grünbereichs vorschlug, um den Mangel an Natur in der Stadt auszugleichen. Das eigentliche Projekt begann jedoch erst 1934, während der Jahre der Großen Depression. In einer Zeit schwerer Wirtschaftskrise wurde der Bau des Parks zu einer wichtigen Beschäftigungsinitiative. Tausende Arbeitslose arbeiteten an der Realisierung des Parks und bewegten enorme Mengen Erde mit einfachen Werkzeugen wie Schubkarren und Schaufeln. Diese monumentale Arbeitsleistung führte zur Pflanzung von Hunderttausenden von Bäumen und zur Schaffung künstlicher Seen und Wasserläufe.
Das Parkprojekt wurde vom Stadtplaner Cornelis van Eesteren und der Landschaftsarchitektin Jakoba Mulder geleitet. Ihre Vision war es, einen Park im englischen Landschaftsstil zu schaffen, der durch natürliche Formen, geschwungene Wege, wellige Wiesen und Baumgruppen gekennzeichnet ist. Mulder, liebevoll „Dame des Waldes“ genannt, spielte eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung und Entwicklung des Parks. Eines der wichtigsten Elemente ist die Bosbaan, die älteste künstliche Ruderstrecke der Welt, die 1937 eingeweiht und später erweitert wurde, um internationale Wettbewerbe auszurichten. Die Bosbaan war Austragungsort der Ruder-Weltmeisterschaften 1977 und 2014 und zog Athleten und Zuschauer aus der ganzen Welt an.
Neben der Bosbaan bietet der Park eine Vielzahl von Freizeiteinrichtungen, darunter Wanderwege, Radwege, Schwimmbereiche und Picknickplätze. In den Sommermonaten erwacht der Park mit zahlreichen Veranstaltungen und Festivals zum Leben, darunter Open-Air-Theateraufführungen im Bostheater und Konzerte. Der Park beherbergt auch einen Lehrbauernhof, die Geitenboerderij Riddammerhoeve, wo Besucher mit Bauernhoftieren interagieren und frische Milchprodukte genießen können.
Die Geschichte des Parks ist eng mit seiner sozialen Funktion verbunden. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Arbeiten am Park unterbrochen und einige Bereiche für deutsche Militäreinrichtungen genutzt. Dennoch blieb ein Großteil des Parks der Öffentlichkeit zugänglich und bot in schwierigen Zeiten einen grünen Zufluchtsort. Nach dem Krieg wurde das Aufforstungsprojekt fortgesetzt, und die letzte Baumpflanzung fand 1970 statt.
Heute ist der Park ein Mosaik natürlicher Lebensräume mit Feuchtgebieten, Wäldern, Wiesen und Wasserläufen, die eine reiche Biodiversität beherbergen. Zu den im Park vorkommenden Tierarten gehören über 200 Vogelarten und zahlreiche Säugetiere. Der Park beherbergt auch schottische Highland-Rinder, die eingeführt wurden, um die Wiesen offen zu halten, ohne auf mechanisches Mähen zurückgreifen zu müssen.
Der Park ist vom Zentrum Amsterdams aus leicht mit der Straßenbahn, dem Bus oder dem Fahrrad zu erreichen und ist sowohl bei Einheimischen als auch bei Touristen ein beliebtes Ziel. Der Park ist das ganze Jahr über geöffnet und bietet saisonale Aktivitäten, die vom Kanufahren und Kajakfahren im Sommer bis zu malerischen Spaziergängen im Herbst reichen, wenn sich die Blätter in leuchtende Farben verwandeln.
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