Katakomben von Commodilla
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Die Katakomben von Commodilla, entlang der Via delle Sette Chiese in Rom gelegen, sind eines der faszinierendsten und weniger bekannten unterirdischen Komplexe der ewigen Stadt. Diese Katakomben sind besonders bekannt für ihre Ausdehnung und die zahlreichen frühchristlichen Kunstwerke, die einen einzigartigen Einblick in das Leben und die Überzeugungen der frühen Christen bieten.
Der Komplex stammt aus dem 4. Jahrhundert und ist einer christlichen Matrone namens Commodilla gewidmet. Die Katakomben beherbergen die Reliquien der Märtyrer Felix und Adauctus, die seit der Antike verehrt werden. Ihr Grab befindet sich in einer Krypta, die mit historisch und künstlerisch wertvollen Fresken verziert ist. Unter diesen Fresken ist eines der bedeutendsten das der “Übergabe der Schlüssel an Petrus” aus dem 6. Jahrhundert, das Christus zeigt, der auf einer Kugel sitzt und Petrus die Schlüssel übergibt, umgeben von anderen heiligen Figuren.
Eine Besonderheit der Katakomben von Commodilla ist das Vorhandensein von Schachtgräbern, einer Art Grab, das aus tiefen Gruben mit bis zu 20 Nischen besteht, die entlang der Wände angeordnet und übereinander gestapelt sind. Diese Anordnung, die nur in den nahe gelegenen Katakomben von Santa Tecla zu finden ist, bietet ein einzigartiges Beispiel für die Bestattungspraktiken der Zeit.
Die in den Katakomben vorhandene Graffiti-Inschrift ist von besonderem sprachlichem und historischem Interesse. Es handelt sich um eine der ältesten Belege für das volkstümliche Italienisch aus dem 9. Jahrhundert. Die Inschrift lautet “Non dicere ille secrita a bboce” (Sag nicht die geheimen Worte laut), eine Warnung an den Priester, die geheimen Gebete der Messe nicht laut zu rezitieren, die nur für Gott bestimmt sind. Dieses Beispiel für volkstümliches Latein zeigt den sprachlichen Übergang vom klassischen Latein zum mittelalterlichen Italienisch.
Die Leones-Kubikul ist ein weiteres Element von großem Interesse. Diese Krypta, die von einem römischen Beamten aus der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts in Auftrag gegeben wurde, ist vollständig mit biblischen Szenen bemalt. Entdeckt im Jahr 1953, befindet sich das Leones-Kubikul im Zentrum der gleichnamigen Region der Katakomben. Die Wände und die Decke der Krypta sind mit Fresken verziert, die Episoden aus dem Leben von Christus und den Heiligen darstellen und sie zu einem der künstlerisch reichsten Bereiche des Komplexes machen.
Die Katakomben wurden erstmals 1903 entdeckt und haben verschiedene Restaurierungsarbeiten erfahren, um ihre wertvollen Fresken und Inschriften zu erhalten. Diese Restaurierungen haben weitere Details über die Bestattungs- und religiösen Praktiken der frühen Christen ans Licht gebracht und zu einem besseren Verständnis des Lebens in der frühchristlichen Zeit beigetragen.
Ein weiteres bedeutendes Element der Katakomben von Commodilla ist das Vorhandensein des frühesten bekannten Beispiels für Christus mit Bart, einer Ikonografie, die in späteren Darstellungen üblich werden würde. Dieses Fresko befindet sich im Leones-Kubikul und zeigt Christus als den Pantokrator, ein Bild, das seine Majestät und Göttlichkeit betont.
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